Verlorene Deutsche Konsulatsmatrikeln

Wie allen, die die deutsche Staatsbürgerschaft anstreben und von einem deutschen Einwanderer vor 1904 abstammen bereits bekannt ist, ist das Auffinden der Konsulatsmatrikel ein grundlegender Schritt, um den Prozess zu beginnen.

Um die Suche zu erleichtern, hat die deutsche Bundesregierung kürzlich „die Archive der jeweiligen deutschen Konsulate mit den Namensverzeichnissen aller bisher eingegangenen Konsulatsmatrikeln“ online zur Verfügung gestellt:

https://brasil.diplo.de/br-pt/servicos/matriculaconsular/2222228

Zur Überraschung der deutschen Nachfahren einiger wichtigen historischen Gemeinden wie Campinas-SP, Petrópolis-RJ und Blumenau-SC, die in Anerkennung ihrer großen deutschen Bevölkerung deutsche Konsulate besaβen, gibt es jedoch keine entsprechenden Archive.

Tatsächlich sind nach Angaben des Auswärtigen Amtes von Deutschland von den 32 deutschen Konsulaten, die bis 1913 in Brasilien bestanden, nur 8 Archive erhalten geblieben.

Verlorene deutsche Konsulatsmatrikeln von Campinas-SP

Man sagt, dass im Jahr 1873 die Hälfte der Bevölkerung der Stadt Campinas, im Landesinneren des Bundesstaates São Paulo, deutscher Herkunft war. Campinas war das wichtigste Handelszentrum für die Bewohner der benachbarten Städte wie Limeira, Rocinha (Vinhedo), Jundiaí, Rio Claro. Diese Städte hatten auch eine starke deutsche Präsenz durch die Ankunft von Siedlern, die durch das Partnerschaftssystem zur Arbeit in den örtlichen Farmen gebracht wurden.

Um den Bedürfnissen dieser großen deutschen Gemeinde gerecht zu werden, wurde Herr Friedrich Kufa zum Konsul des Deutschen Reiches in dieser Region ernannt, wie die Zeitung „A Gazeta de Campinas“ 1873 berichtet:

”Gazeta de Campinas” im Jahr 1873

Neben Herrn Friedrich Kufa waren auch Francisco Krug und Albert Müller als Konsuln vor Ort. Beide werden im Artikel „Erinnerungen an einen Konflikt zwischen Einwanderern und Kaffeefarmer im 19. Jahrhundert“ von Dr. Tereza Cristina Kirschner als glühende Verteidiger der deutschen Untertanen gegen Misshandlungen durch die einheimischen Bauern erwähnt, wie aus den verschiedenen Abordnungen zwischen den deutschen diplomatischen Vertretungen in Brasilien und dem Auswärtigen Amt des deutschen Reichs im Jahr 1879 hervorgeht.

Unten ist ein Beispiel einer Konsulatsmatrikel, die vom stellvertretenden Konsul Herrn Albert Müller im Jahr 1879 unterzeichnet wurde und die nicht in den deutschen Regierungsarchiven beinhaltet ist:

Konsulatsmatrikel von Campinas im Jahr 1879

Verlorene deutsche Konsulatsmatrikeln von Petrópolis-RJ

Petrópolis, wo 1862 laut dem Buch „Malerische Reise nach Petrópolis“ des Schriftstellers Carlos Augusto Taunay, die Deutschen 46% der Bevölkerung ausmachten, war ein anderer Ort von großer Bedeutung für die diplomatische Präsenz der deutschen Bundesregierung.

In dieser Stadt wurde 1864 die „Germania“ gegründet, eine der ersten deutschsprachigen Zeitungen Brasiliens. Ihr Herausgeber und Gründer, Herr Peter Müller, ist in der wichtigen Veröffentlichung „Ein Schrei gegen die Einwanderung nach Brasilien“ die Dr. H. Schenkte in Berlin schrieb, welcher 10 Jahre lang Konsul für die Region war, aufgeführt wird. Neben ihm tritt auch Herr Rudolph Waehneldt als Konsul auf und unterzeichnet 1872 die folgende Matrikel:

Konsulatsmatrikel von Petrópolis im Jahr 1872

Verlorene deutsche Konsulatsmatrikeln von Blumenau-SC

Blumenau, anerkannt als eine der deutschesten Städte Brasiliens, ist eine weitere bemerkenswerte Abwesenheit auf der Archivliste der deutschen Bundesregierung.

Herr Victor Gaertner, Neffe des Stadtgründers Dr. Hermann Blumenau, wurde 1867 in einem von Reichskanzler Otto von Bismarck unterzeichneten Schreiben, welches vom deutschen Kaiser Wilhelm II. und dem brasilianischen Kaiser Peter II. offiziell gemacht wurde, zum Konsul von Preußen und dem Norddeutschen Bund ernannt. Er übte das Amt bis zu seinem Tod im Jahr 1888 aus.

Ernennung des Konsuls von Blumenau im Jahr 1867

Obwohl uns kein Beispiel einer Konsulatsmatrikel von der Region zur Verfügung steht, ist es sehr unwahrscheinlich, dass in einer Stadt von solcher Bedeutung in der deutschen Kolonisation kein Deutscher seine Matrikel vorgenommen hat.

Verlorene Konsulatsmatrikeln von Südbrasilien

Neben Blumenau gab es in der südlichen Region Brasiliens auch an anderen Orten eine starke deutsche Präsenz. Die Matrikeln der Stadt Joinville beginnen laut der vom deutschen Außenministerium zur Verfügung gestelltes Archiv bei 315, was bedeutet, dass die vorherigen 314 Matrikeln verloren gegangen sind.

Der Verbleib der Matrikelbücher von Florianópolis (Desterro), Dona Francisca, Rio Grande und Erechim, unter anderen, ist ebenfalls unbekannt.

Verlorene Konsulatsmatrikeln von Santos-SP

Ein weiterer kurioser Fall findet sich in einem Hamburger Beherbergungsregister von 1878, in dem ein Einwanderer und sein Sohn ihre konsularischen Matrikeln vorlegten. Eine wurde 1869 in São Paulo hergestellt und eine weitere 1875 in Santos.

Beherbergungsregister von Hamburg im Jahr 1878

Die in São Paulo vorgenommene Konsulatsmatrikel befindet sich im deutschen Regierungsarchiv, während die in Santos nicht gefunden wurde.

Laut dem deutschen Regierungsbeamten beginnen die verfügbaren Aufzeichnungen von Santos erst im Jahr 1882, was darauf hindeutet, dass alle früheren Registrierungen verloren gegangen sind.

Potenziell rechtmäßige deutsche Staatsbürger im Unrecht?

Nachkommen von Deutschen, die in diesen Orten lebten und ihre Konsulatsmatrikeln vornahmen und die daher heute Anspruch auf die Anerkennung ihrer deutschen Staatsangehörigkeit hätten, zahlen nun den Preis für die Missachtung ihrer offiziellen Dokumente durch die deutsche Regierung.

Diesen legitimen potentiellen deutschen Staatsbürgern bleibt die Beweislast für die erfolgte Matrikel, während die deutschen Behörden ihrer Verantwortung als Hüter der offiziellen deutschen Dokumente und der Wertschätzung der Arbeit ihrer konsularischen Vertreter in Brasilien nicht nachkommen.

Beteiligen Sie sich an der Petition der Gruppe ohne Matrikel

Wenn Sie von der nicht ortsgebundenen Konsulatsmatrikel Ihrer Vorfahren betroffen sind, besuchen Sie die Gruppe Cidadania Alemã – Sem Matrícula Consular / Ohne Konsulatsmatrikel auf Facebook.

Die Gruppe wurde 2014 mit dem Ziel gegründet, die Nachkommen rund um das Problem der Konsulatsmatrikel zu organisieren und hat kürzlich an der Erstellung einer Petition an die deutsche Regierung gearbeitet, um eine faire Lösung zu finden.

Die Petition wird mit juristischer Beratung in Deutschland und mit dem Gutachten eines renommierten deutschen Juristen in Staatsbürgerschaftsfragen entwickelt.

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